| Im
Herbst 2005 treten die gravierenden Auffassungsunterschiede
zwischen Regierung und Opposition über grundlegende
Aspekte der Energiepolitik deutlicher denn je zu Tage. Jede
neue (oder auch alte?) Regierung wird bis zum Jahresende
ihre energiepolitische Marschroute für die nächste
Legislaturperiode festlegen und die Opposition sich hiermit
entsprechend kritisch auseinander zu setzen haben. Planmäßiger
Rückzug oder Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergienutzung,
Rest- oder Auslaufsteinkohlebergbau, Fortsetzung oder grundlegende
Überprüfung der Förderungspolitik zu Gunsten
regenerativer Energieträger, aber auch die Konsequenzen
des gravierenden Preisanstiegs auf den nationalen und den
internationalen Energiemärkten sind nur einige der
Themen, die auf der 13. Handelsblatt Jahrestagung Energiewirtschaft
vom 17. -19.1.2006 in Berlin vom amtierenden Wirtschaftsminister
und von führenden Vertretern der Energiewirtschaft
erörtert werden.
Der
Regulierer wird – dann sechs Monate im Amt - seine
ersten Erkenntnisse aus der umfassenden Datenerhebung und
hieraus abzuleitende Schlussfolgerungen für die konkrete
Ausgestaltung der Netzzugangsbedingungen, das Bundeskartellamt
seine zunehmenden Aktivitäten in Fragen der Fusionskontrolle,
der Befristung von Gaslieferverträgen, der Preisentwicklung
insbesondere auf den Großhandelsmärkten sowie
möglicherweise in Zukunft auch der Ölbindung von
Gaspreisen erläutern. Branchenvertreter wie Verbraucher
werden sich gleichzeitig intensiv mit den hieraus für
sie resultierenden Konsequenzen auseinander setzen.
Der
Fortgang des Liberalisierungsprozesses, der Umbruch auf
den (internationalen) Beschaffungsmärkten sowie die
nachhaltigen Veränderungen des energiepolitischen Umfelds
zwingen die Versorgungswirtschaft, sich diesen Herausforderungen
durch konsequente Ausschöpfung der gegebenen Rationalisierungspotenziale,
Verschlankung der organisatorischen Strukturen, Kundenfokussierung
und vorbehaltloses Ausloten der sich mit Kooperationen erschließenden
Synergieeffekte zu stellen. Dies gilt nicht zuletzt für
die Stadtwerke und die Notwendigkeit zur grundsätzlichen
Überprüfung der bislang verfolgten Strategien
in den Bereichen Beschaffung, Netzbetrieb und Vertrieb,
die einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung bilden.
Zentrale Bedeutung kommt bei der Lösung der Zukunftsaufgaben
jedoch auch Innovation und Wissensmanagement zu, eine Frage,
dem sich ein eigener Keynote-Vortrag widmet.
Auf
große Aufmerksamkeit dürften auch die jüngeren
Entwicklungen im Bereich Handel stoßen, die von
namhaften Akteuren auf diesem Feld diskutiert werden. Dasselbe
gilt für die Frage, welche Rolle traditionelle Finanzinstitutionen,
aber auch Hedgefonds und Private Equity-Fonds als neue potente
Player auf dem Energiemarkt zukünftig einnehmen können.
Dabei
ist davon auszugehen, dass das für die deutsche Energiewirtschaft
relevante regulatorische und energiepolitische Umfeld im
Zuge der Fortentwicklung der Europäischen Union zunehmend
durch Entscheidungen in Brüssel bestimmt wird und die
sich auf den weltweit interdependenten Energiemärkten
herausbildenden Angebots- und Nachfragekonstellationen auch
entscheidend die Versorgungsbedingungen in unserem Lande
bestimmen, so dass diesen Aspekten ein eigener Schwerpunkt
der nächsten Jahrestagung gewidmet werden soll. Es
ist von essentieller Bedeutung, dass sich die Bundesrepublik
in wesentlich stärkerem Maße in die Entscheidungsprozesse
in Brüssel einbringt, um der deutschen Stimme mehr
Gewicht zu verleihen, aber auch dass die Beziehungen zu
den wichtigsten Lieferländern auf partnerschaftlicher
für beide Seiten langfristig verlässlicher Basis
fortentwickelt werden.
Prof.
Dr. Dieter Schmitt,
Universität Duisburg-Essen |